Wieder war es eine improvisierte Knie-Rakete von Trossard, wieder war es ein riesiger Schritt für Arsenal. Das war kein Spiel für die Highlight-Sammlung und kein Nachmittag für Schönheit. Es war ein Überlebenstest auf schwierigem Boden gegen einen Gegner, der um seine Liga-Zukunft kämpfte, und Arsenal fand irgendwie den Weg hindurch.
Schon vor dem Anpfiff war klar, was für eine Partie das werden würde. West Ham brauchte die Punkte im Abstiegskampf wie Luft, und solche Mannschaften schenken Titelkandidaten keine sauberen Nachmittage. Sie ziehen Spiele in Zweikämpfe, Nerven und Unterbrechungen. Arsenal musste fast über die vollen 90 Minuten genau darin bestehen.
Darum war David Raya so wichtig. Eine riesige Eins-gegen-eins-Rettung hielt Arsenal im Spiel, als die Begegnung am meisten zu kippen drohte. In Titelrennen hängen ganze Spielzeiten oft stärker an solchen Szenen als an den Toren selbst.
Als der Durchbruch dann endlich kam, erinnerte er daran, warum Martin Odegaard der klarste kreative Kopf dieser Mannschaft bleibt. Er kreiste immer wieder am Strafraumrand, suchte den Riss im Block von West Ham, kombinierte scharf mit Rice und fand dann Trossard im richtigen Halbraum. Trossard erledigte den Rest auf seine eigene seltsame, aber effektive Weise: aus dem Knie, improvisiert, unförmig und gleichzeitig perfekt.
Die Führung veränderte die Temperatur des Spiels, nicht aber die Anspannung. Arsenal wirkte nie völlig ruhig, nie völlig in Kontrolle, und genau das hielt die Tür für ein spätes Drama offen.
Es schien in der Nachspielzeit zu kommen, als West Ham den Ball über die Linie drückte und das Stadion explodierte. Arteta wirkte für einen Moment wie getroffen, die Heimfans feierten, und alles sah nach der grausamsten Wendung des Nachmittags aus.
Dann kam die Überprüfung. Auf den Bildern war zu sehen, wie ein West-Ham-Spieler Raya am Hals festhielt und ihm verhinderte, sauber hochzukommen und den Ball zu sichern. Nach langem VAR-Zögern wurde der Schiedsrichter zum Monitor geschickt und nahm das Tor zurück. Kein Ausgleich. Nur Chaos, Erleichterung und ein Schlusspfiff, den Arsenal wie Sauerstoff begrüßte.
Zwei Spiele bleiben. Sechs Punkte bleiben. Und dieselbe Botschaft bleibt ebenfalls: Arsenal darf sich nicht in "Was wäre wenn" verlieren. Manchester City hat mit dem 3:0 gegen Brentford die Tordifferenz wieder enger gemacht, also darf es nicht ums Rechnen gehen. Es muss um sechs Punkte aus sechs gehen.
Diese Partie hat vor allem gezeigt, dass Arsenal noch immer Stahl besitzt, wenn Schönheit nicht verfügbar ist. Über lange Strecken war die Mannschaft weder freier noch flüssiger noch klar besser als West Ham. Aber sie hat durchgehalten. Und manchmal sieht ein Titelrennen genau so aus.
Autor: B.