Wer das erste Halbfinale gesehen hat, dürfte am Ende einen ähnlichen Eindruck haben: Das war ein völlig anderes Spiel als das andere Duell zwischen PSG und Bayern. Dort war das Tempo höher, das Spiel offener. Hier war alles härter, langsamer, berechnender und voller Zweikämpfe statt Schönheit.

Arsenal reiste mit einem klaren Plan nach Madrid. Das Spiel nicht verlieren, den Druck des Heimteams aushalten und, wenn sich eine Gelegenheit öffnet, zuschlagen. Genau das gelang kurz vor der Pause, als Viktor Gyokeres einen Elfmeter herausholte und selbst zur Führung verwandelte. Es war der Moment, der die Disziplin der Gäste belohnte und zeigte, dass diese Arsenal-Mannschaft auch aus einer Nacht ohne Leichtigkeit etwas Großes mitnehmen kann.

Schon vor dem Tor hatte Gyokeres mehrfach gezeigt, warum viele ihn gerade für solche Abende als den richtigen Stürmer sehen. Mehr als einmal kam er in den Duellen mit Atleticos Verteidigern als Sieger heraus, nahm die Härte an und zwang die letzte Linie des Heimteams zu mehr Arbeit als ihr lieb war. Gerade deshalb bleibt ein gewisses Erstaunen darüber, dass er später zusammen mit zwei weiteren Offensivspielern vom Feld genommen wurde - in einem Moment, in dem Arsenal eigentlich jemanden gebraucht hätte, der den Ball festmacht, zurückschlägt und etwas Trotz ins Spiel bringt.

Atleti zeigte im Gegenzug genau das, weshalb Simeones Fußball auf dieser Bühne so lange funktioniert. Keine Panik. Kein Zusammenbruch nach dem 0:1. Stattdessen mehr Tempo, ein wacheres Stadion und ein Arsenal, das immer kürzer atmete. Der Ausgleich kam genauso wie die Führung der Gäste: per Elfmeter. Die Handspielentscheidung gegen Ben White wird für viele ein Anlass zum Murren bleiben, vor allem weil der Ball zuvor vom Bein kam, aber der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt und Julián Alvarez verzieh nicht.

Ab diesem Moment änderte sich das Bild des Spiels. Atletico wirkte lebendiger, gefährlicher und direkter. Chancen kamen in Serie, und Antoine Griezmann erinnerte einmal mehr daran, dass seine Klasse nie zur Diskussion stand. Er spielt mit einer Leichtigkeit, die auffällt, und irgendwo bleibt immer noch dieses alte Bedauern, dass er nie im Arsenal-Trikot aufgelaufen ist, obwohl jahrelang darüber gesprochen wurde. Einer dieser Spieler, die man selbst aus der gegnerischen Perspektive kaum nicht respektieren kann.

Arsenal überstand diese Phase, wirkte aber nicht wirklich ruhig. Schwere Beine, unsichere Pässe und diese vertraute April-Anspannung tauchten wieder im Bild auf. Manchmal wirkt es noch immer erstaunlich, dass eine Mannschaft, die das Halbfinale der Champions League erreicht hat und zugleich im Titelrennen lebt, trotzdem so aussehen kann, als würde ein Fehler die ganze Welt zum Einsturz bringen. Das ist keine Frage des Talents. Das ist eine Frage der Nerven. Auf diesem Niveau zählen Nerven fast so viel wie Qualität.

Auch die neue Garnitur von der Bank änderte wenig. Saka blieb überraschend blass. Es gab Momente, in denen es so aussah, als würde er gleich aufdrehen, wegziehen und das Spiel aufbrechen, doch es reichte bei weitem nicht, um den Rhythmus wirklich zu verändern. Damit landet man wieder beim selben Punkt: Gyokeres muss spielen, und er muss den Ball bekommen. Ganz gleich, wie das Spiel aussieht, solche Abende wirken weiterhin wie für ihn gemacht - um Kraft, Eigensinn und Trotz zu zeigen. Wenn ihn das Mittelfeld nicht früh genug findet, stößt all die Arbeit schnell an Grenzen.

Auch Zubimendi sah nicht wie ein Spieler aus, der das Zentrum komplett im Griff hat. Er scheint in einer leichten Formdelle zu stecken, und Arsenal fehlt dort weiterhin jemand, der notfalls das Feld umpflügt und das Gleichgewicht zurückholt. Natürlich redet es sich leicht von der Tribüne oder vom Sofa aus, wo wir alle in unserem Kopf Weltklassetrainer sind. Aber manches springt eben ins Auge, auch wenn man es gar nicht sehen will.

Am Ende kann Arsenal mit dem Ergebnis zufrieden sein. Aber zufrieden heißt nicht erfüllt. Mikel Arteta sprach nach dem Spiel von vielen positiven Dingen, machte aber auch keinen Hehl aus seiner Wut über den zurückgenommenen Elfmeter an Eze und darüber, wie sehr dieser Moment das Duell hätte kippen können. Darin liegt wahrscheinlich die ganze Wahrheit dieses Abends: Arsenal lebt, Arsenal bringt das Duell nach London zurück, aber es bleibt auch das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre.

Das ist trotzdem kein kleiner Vorteil vor dem Rückspiel.

Jetzt richtet sich der Blick auf das Wochenende und die nächste Hürde in der Liga. Arsenal wird erneut genug Frische und genug Klarheit brauchen, um endlich das zu tun, worauf die Fans so lange warten: einen schwächeren Gegner wirklich auszunutzen, die Handbremse zu lösen und ohne Scham anzugreifen - so, wie diese Mannschaft es kann, wenn sie sich wirklich frei macht. Was nun folgt, verlangt Punkte, Tore und Selbstvertrauen.

Wenn du solche Berichte und Vorschauen direkt nach Veröffentlichung lesen willst, wartet die Subscribe-Option jetzt still auf der Seite, ohne Lärm und ohne Aufdringlichkeit.

Bleib mit uns bei diesem spannenden Endspurt der verbleibenden Wettbewerbe. Wenn Madrid ein Test der Ausdauer war, wird London ein Test des Mutes.

Autor: B.